UXMA @ IAA Transportation 2026

Für vier unserer Kolleg:innen aus Hamburg und Dresden ging es für einen Tag auf die IAA TRANSPORTATION nach Hannover. Ihre Eindrücke von der weltweit führenden internationalen Leitmesse für Nutzfahrzeuge, Transport, Logistik und Busse haben sie mit uns in diesem Artikel geteilt.

Zwei Personen im Gespräch zu Interfaces im Auto.

Was hielt die IAA für uns bereit?

Mit mehr als 140.000 Besucher:innen und über 1.500 Aussteller:innen aus 46 Ländern hat die IAA TRANSPORTATION eine Menge zu bieten. Neben Weltpremieren, zahlreichen Fahrzeugen und Talks waren für Ellen Geißler (Senior UX/UI Designerin), Finn Lassen (Interaction Designer), Constantin Kärgling (Industrial Designer) und Christian Jakobs (Senior Industrial Design Engineer) vor allem physische Schnittstellen, Buttons, Touchbedienungen, Benchmarks und aktuelle Trends interessant. Deswegen lautete die Devise vor allem: Testen, testen, testen.

Drei Personen in der Fahrerkabine eines LKWs, die die Funktionen testen.
Drei Personen in der Fahrerkabine, die über die Funktionen sprechen und sie testen.
Eine Person sitzt in der Kabine eines LKWs am Lenkrad und testet Funktionen.

3D in Fahrzeug-HMIs: Mehrwert oder Beliebigkeit?

3D-Renderings und Animationen etablieren sich zunehmend als Standardmittel in Fahrzeug-HMIs. Der Mehrwert liegt auf der Hand: Ein 3D-Modell schafft Identifikation mit dem eigenen Fahrzeug, macht räumliche Zusammenhänge (z. B. Anhängerkupplung, Umfeld-Sensorik) intuitiv erfassbar und bringt Klarheit in die Benutzer:innenführung, wo Text oder 2D-Icons an ihre Grenzen stoßen. Gerade bei komplexen Nutzfahrzeugen mit vielen unsichtbaren Funktionen (z. B. Anhänger, Ladungssicherung) kann ein plastisches Modell Vertrauen schaffen und Abstraktion reduzieren. Die Maschine wird "verstanden", statt nur Symbole zu lesen.
In der Umsetzung zeigt sich allerdings, dass diese Chance selten konsequent genutzt wird. Wir haben teils unterschiedliche Darstellungsstile innerhalb eines einzigen HMI gesehen. Zudem wirkten einige Darstellungen teilweise überladen, wenn ein komplett gerendertes Interior angezeigt wird, obwohl es nur um eine einzelne Funktion geht.

Finn Lassen Interaction Designer

Zwei Personen vor einem Interface, welches die Position eines LKWs auf der Straße anzeigt.

Ellen Geißler Senior UX/UI Designer

Safety first und zwar überall!

Niemand kam auf der Messe am Thema Sicherheit vorbei. Besonders auffällig war die Vielfalt an Tracking-Systemen, die an zahlreichen Ständen präsentiert wurden. Sie behalten nicht nur die Fahrbahn im Blick, sondern überwachen auch die Konzentration der Fahrer:innen, unterstützen beim Rangieren oder schützen das Fahrzeug vor unbefugtem Zugriff.

Während der Automatisierungsgrad stetig steigt, entstehen gleichzeitig richtig schöne Ansätze für die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine:

  • Der Gurt, der mitdenkt: Wandert der Blick des Fahrers zu lange von der Fahrbahn ab, meldet sich der interaktive Gurt mit einem kräftigen Ruck.

  • Licht als Sprache: In die Innenverkleidung integrierte LED-Stripes machen mit animierten Lichteffekten auf Gefahren außerhalb des Fahrzeugs aufmerksam oder sorgen einfach für eine entspannte Atmosphäre.

  • Rangieren aus der Vogelperspektive: Dank der Außensensorik entstehen 3D-Animationen in Echtzeit, die zum Beispiel den Verladeplatz samt aller Hindernisse von oben zeigen. So wird das Rangieren deutlich sicherer.

  • Die Zentrale fährt mit: Andere Zulieferer setzen auf die Vernetzung der Fahrzeuge mit dem Hauptquartier. Dort wird Videomaterial in Echtzeit ausgewertet und verdächtige Verhaltensmuster werden erkannt. Potenzielle Einbrecher lassen sich so per Alarm abschrecken, bevor überhaupt ein Schaden entsteht.


Bei so vielen gesammelten Daten stellt sich natürlich eine zentrale Frage: Was passiert damit? Dies wurde auf einer der Bühnen zum Thema Datensicherheit und KI-Unterstützung aufgegriffen. Unter anderem wurde diskutiert, wie ein möglichst verantwortungsvoller Umgang mit den vielen Sensordaten aussehen kann und welche Mehrwerte sich durch eine sichere Vernetzung erschließen lassen.

Constantin Kärgling Industrial Designer

Hardware trifft Software selten wirklich rund

Ein Trend war auf der IAA deutlich zu spüren: Knöpfe und Drehregler kehren zurück, reine Touch-only-Kabinen sind auf dem Rückzug. Das passt zu einer branchenweiten Entwicklung, denn neue Euro-NCAP-Vorgaben verlangen ab 2026 physische Bedienelemente für sicherheitsrelevante Grundfunktionen.

Besonders spannend wird es dort, wo Hardware und UI nicht nebeneinander existieren, sondern ineinandergreifen – etwa bei einem Drehregler im Display oder bei Tasten unterhalb des Screens, die direkt auf die UI darüber wirken. Renault und Kia zeigten hier positive Beispiele, doch solche Lösungen sind bisher die Ausnahme. Meist wirken Hardware und Software wie zwei getrennt gedachte Welten, die erst nachträglich zusammengefügt wurden. Auch in ihrer gestalterischen Sprache finden sich oft zu wenig Gemeinsamkeiten.

Zwei Personen an einem Messestand mit Interfaces eines Autos.

Vom Showdownthema zum Standard

Anders als in früheren Jahren wurden KI und Autonomie nicht mehr inszeniert, sondern waren präsent und ganz natürlich erlebbar. Robo Vans ohne klassische Fahrerkabine feierten ihre Premiere, automatisiertes Fahren wurde live entlang der Expo Allee demonstriert und das Konferenzprogramm mit über 200 Speaker:innen behandelte KI und Software Defined Vehicles als selbstverständliche Rahmenthemen der Branche. Für uns war das ein sehr deutliches Zeichen, dass diese Technologien gerade den Sprung vom Hype zum Normalzustand geschafft hat, auch wenn die konkrete UX-Umsetzung noch hinterherhinkt.

  • Das Außengelände der IAA mit einem autonom fahrenden Auto.
  • Ein Mann steht im inneren eines neuen Busses und betrachtet das Interieur.
  • Zwei Personen aneinander gelehnt, lachend, im inneren eines autonom fahrenden Autos.
Autonomes Fahren ist kein Zukunftsthema mehr

Unser Fazit

Nach einem Tag auf der IAA nehmen wir vor allem mit, dass die Technologien zwar da sind, aber entscheidend ist, wie gut sie im Fahrzeug zusammenfinden. 3D kann komplexe Funktionen verständlicher machen, physische Bedienelemente können Sicherheit und Kontrolle stärken und KI sowie Sensorik eröffnen neue Möglichkeiten der Unterstützung. Allerdings wird deutlich, dass nicht die Menge der eingesetzten Technologien über die Zukunft der Mobilität entscheidet, sondern wie verständlich und sicher diese für Menschen nutzbar sind.

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