UXMA @ WeAre­Devel­opers World Congress 2026

Vom 8. bis 10. Juli 2026 waren drei unserer Software­entwickler:­innen, Birte, Thoren und Milan, auf dem WeAreDevel­opers World Congress in Berlin. Bei über 15.000 Teilnehm­enden, mehr als 500 Speakern und über 20 Bühnen erlebten sie die Konferenz alle anders. Ihre unterschiedlichen Eindrücke schildern sie uns in einem Bericht.

Ein Talk auf dem WeAreDevelopers World Congress mit Publikum und Bühne.

Unsere Erwartungen

Birte: Ich wollte vor allem Ideen mitnehmen, die ich direkt in unseren Projekten einsetzen kann. Natürlich war mir klar, dass KI das vorherrschende Thema sein würde. Meine Hoffnung war aber auch, Erfahrungs­berichte und einige Vorträge zu entdecken, die ohne das Schlagwort „AI“ auskommen.

Milan: Mein Ziel war zu verstehen, wohin sich Software­entwicklung insgesamt entwickelt, aber auch Themen wie Security, Accessibility, neue Web-Technologien und fortgeschrittene Tools, die den Arbeitsalltag erleichtern.

Thoren: Ich bin ohne große Erwartungen angereist und war mir sicher, dass ich bei dem Angebot bestimmt etwas für mich finde. Meine Hoffnung: interessantes Fachwissen rund um KI, konkrete Projekte und Tools, ein Blick darauf, was die großen Player gerade tun und Erfahrungswerte auf Architektur-­Ebene.

  • Gruppenbild vor dem Eingangsbereich des Congresses von Milan, Thoren und Birte (von links nach rechts)
  • Talk mit Speaker auf dem WeAreDevelopers World Congress.

Unsere Befürchtungen

Milan: Meine Befürchtung war, bei dem großen Angebot und der begrenzten Zeit nicht den richtigen Fokus zu setzen und im falschen Talk zu sitzen.

Thoren: Vor der Konferenz hatte ich keine wirklichen Befürchtungen. Erst vor Ort wurde klar, wie schwierig es bei dieser Größe ist, die richtigen Sessions auszuwählen.

Portrait Foto von Birte Kock.

Birte Kock Senior Software Engineer

Außenbereich des Messegeländes

Unsere Eindrücke vor Ort

Birte: Viele Talks bestätigten tatsächlich meine ersten Befürchtungen: Nach kurzem Intro folgte meist der Pitch für ein neues KI-Tool, das all unsere Probleme löst. Dennoch gab es einige Vorträge mit sinnvollen Impulsen zu Datenbank­architektur, Performance-­Optimierung und aktuellen Software­trends, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

Milan: Mich hat vor allem die Größe beeindruckt. Die Expo, die internationalen Besucher:­innen und die Vielzahl an Themen zeigen, wie breit die Entwickler:­innen-Community inzwischen aufgestellt ist. Eine gute Planung vor Ort ist wichtig, um die gewünschten Talks anhören zu können und nicht nur „shiny new AI product“ vorgestellt zu bekommen.

Thoren: Für mich zeigte sich schnell: Ich muss mich entscheiden. Talks, Expo oder Networking – alles gleichzeitig funktioniert nicht. Entweder ich gehe von Talk zu Talk oder nehme mir bewusst Zeit für die Messestände und Gespräche. Zudem sind Master­classes und Workshops schnell ausgebucht. Viele Panels und Vorträge waren mit maximal 30 Minuten zu kurz, um in die Tiefe zu gehen und Talks über konkrete Probleme stellten am Ende ein Produkt vor, das bei der Problemlösung hilft.

  • Talk im Außenbereich mit Publikum
  • Gruppenbild von Milan (links) und Birte (rechts) lächelnd im Vordergrund und einer roten Ente im Hintergrund mit dem Logo des Kongresses.

Unsere Erwartungen

Birte: Ich habe gezielt nach Ideen gesucht, die wir bei UXMA kurzfristig einsetzen können – Best Practices, Refactorings und pragmatische Lösungen. Etwas, das ich direkt am Montag nach dem Congress bei der Arbeit anwenden kann. Denn nach einem Jahr in der Frontend-Entwicklung ist mein Zwischenfazit: Die KI löst erstaunlich viele Probleme schnell und zuverlässig, vor allem funktionale Bugs. Es hakt aber oft bei der UI, denn KI ist blind. Sie sieht nicht das, was auf dem Screen passiert, sondern nur das, was im Code als Text steht. Was dort logisch strukturiert aussieht, könnte im UI unter Umständen unaufgeräumt oder unintuitiv sein. Für diese Problematik hatte ich mir einen Talk ausgesucht, der diese Lücke hoffentlich schließen würde.

Thoren: Mich interessierten KI-gestützte Workflows, die ich direkt in meiner täglichen Projektarbeit einsetzen kann und Einblicke, wie andere Unternehmen ihre Architektur auf KI ausrichten. Ein interessanter Auftakt war diebezüglich der Mainstage-Talk „The AI-Native Engineering Org: What's Real, What's Hype, What's Next“ von Taroon Mandhana (CTO AI and Teamwork bei Atlassian). Sie bauen einen globalen AI-Kontext-­Layer für das gesamte Unternehmen, eine zentrale Wissensschicht, auf die ihre KI-Systeme zugreifen. Bei UXMA beschäftigen wir uns zurzeit natürlich auch genau mit diesen Themen, vom gemeinsamen Kontext für KI-Werkzeuge, der allgemeinen Zusammenarbeit mit KI-Agenten bis hin zu Tests mit lokalen LLMs. Wenn einer der großen Player auf der Bühne beschreibt, was wir im Kleinen bereits tun, ist das ein gutes Zeichen für den eigenen Kurs.

Milan Albrecht Software Engineer

Unsere Highlights

Birte: Mein persönliches Highlight war der Talk „Design System for the Machines – How to Make AI Understand Your UI“ von Jennifer Wjertzoch (Senior Frontend Engineer bei DKB Code Factory). Die Kernidee dahinter ist, dass ein Design System sich nicht mehr nur an Menschen richtet. Auch Maschinen „lesen" unser UI wie z. B. unser KI-Assistent, der unseren Code versteht, weiter- und umbaut. Doch Maschinen lesen, anders als wir Menschen, nicht nur Texte, sondern Bausteine und ihre Bedeutung in der UI. Und dabei fehlen ihr regelmäßig drei Dinge:

  • Missing Meaning – Ein < div class="button" > ist für die KI erstmal nur ein div. Dass es ein Button sein soll, ist über die CSS-Klasse nicht erkennbar. Die Bedeutung fehlt.

  • Missing Behavior – Was tut das Element? Öffnen, umschalten, absenden? Wenn es nirgends steht, kann man nur interpretieren. Die Funktion fehlt.

  • Missing Intent – Warum ist das hier, was soll der Nutzer damit tun? Die Absicht fehlt.

An dieser Stelle erinnerte ich mich an das letzte Accessibility Meet Up Kiel. Die Lücke, über die KI stolpert, ist dieselbe, über die auch ein blinder/ sehbeeinträchtigter Mensch stolpert und weswegen Screenreader Informationen benötigen. Die Lösung dieses Talks war also kein Pitch für ein neues Tool, sondern Accessibility mit semantischer HTML ( < button >, < nav >, < main > statt div-Dschungel) und saubere ARIA-­Labels und -Rollen, wenn die Semantik nicht ausreicht. Damit werden Meaning, Behavior und Intent maschinenlesbar – für die KI und Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung. Dadurch wird barrierefreier Code eine Schnittstelle, die KI-Agenten und assistive Technologien gleichermaßen verstehen. In der Praxis bedeutete das am Montag nach der Konferenz für mich: Anstatt „irgendwann mal aufräumen“ jest-axe in die Pipeline geben. Dann prüft axe-core (von Deque) automatisiert auf fehlende Labels, falsche Rollen sowie Kontrastprobleme und lässt sich direkt in CI/CD einhängen. Jeder Merge wird so zum Accessibility-­Check ohne manuelles Nachdenken.

Milan: Mein Highlight war der Talk: „Are Classical Automation Frameworks Dead? How AI Agents Are Transforming QA“ von Andrei Nutas (Technical Test Architect bei Atos). Hier wurden einige Probleme aus unserem Arbeitsalltag angesprochen: UI-Tests, die „flaky“ sind, also mal durchlaufen und mal fehlschlagen sowie „Selector Maintenance Tax“, der ständige Pflegeaufwand, wenn sich Selektoren in der Oberfläche ändern. Im Talk wurden drei Ansätze vorgestellt: das Full Agentic Testing, ein Hybrid-Modell und das „klassische“ manuelle Aufsetzen von Tests. Es hat mich nicht überrascht, dass ein hybrides Test-Modell empfohlen wurde und vor einem Testsystem, das immer mit KI-Agenten läuft, gewarnt wird und bei jedem Testlauf Tokens verbrannt werden. Im hybriden Test-Modell wurde gezeigt, wie klassische Frameworks wie „Playwright“ oder „Skyvern“ genutzt werden können, um sich selbstständig reparierende Tests zu schreiben. Schlägt ein Test fehl, müssen Entwickler:­innen nicht direkt in die Logs schauen und die oft trivialen, aber schwer zu entdeckenden Fehler finden und beheben. Stattdessen springt nur in diesem Fall ein KI-Agent ein, löst das Problem, passt den Test entsprechend an (z. B. über eine editierbare Datenbank, die in der Pipeline verfügbar ist) und muss beim nächsten Durchlauf nicht mehr eingreifen. Dieser Prozess ist simpel genug, dass er sogar über lokale Modelle laufen könnte.

Thoren: Hängen geblieben ist bei mir vor allem der Talk: „You don't need to write the code. You need to become a verification architect and prove it's correct“ von Guillaume Moigneu (Field CTO bei Upsun). Die zentrale These: Der „10x-Entwickler“ der Agent-Ära ist nicht, wer zehnmal mehr Code schreibt, sondern wer zehnmal mehr Umfang definiert, verifiziert und ausliefert. Und Absicherung wird dabei vom Bremsklotz zum Geschwindigkeits­multiplikator, denn je härter die Prüf­mechanismen, desto mehr kann man den Agenten unbeaufsichtigt laufen lassen. Moigneu unterteilt hierfür: Verification (Haben wir es richtig gebaut?) wie Tests, Typen, Linting ist Maschinensache und im Idealfall voll automatisiert. Validation (Haben wir das Richtige gebaut?) prüft die Maschine gegen eine niedergeschriebene Intention. Wir sind verantwortlich, die Verifikations­-Pipeline zu bauen, sodass am Ende der Human-in-the-loop (HITL) idealerweise nur noch für die Validierung zuständig ist.
Was mir an dem Talk gefallen hat: Er beschreibt den State of the Art gut und beinhaltet Erfahrungen sowie Probleme, die ich auch mit KI-Agenten gemacht habe und erklärt einen strukturierten, rekonstuierbaren Flow von Commit-­Hooks bis Critic-Prompt. Einige dieser Ansätze fließen bereits in meinen Arbeitsalltag ein und genau daran merke ich, dass dieser Talk mehr war als eine gute halbe Stunde Programm.

Thoren Horstmann Senior Software Engineer

Speakerin auf einer Bühne auf dem WeAreDeveloper Congress 2026.

Unsere Learnings & Fazit

Birte: Neben den neuen KI-Tools, habe ich Impulse zu meinen kleinen Alltags­themen erhalten. Aus meinem Highlight-Talk nehme ich mit, dass unser Accessibility-Pod der richtige Ort ist, um genau daraus einen gemeinsamen Standard zu machen. Denn manchmal kann man Trends auch dafür nutzen, etwas zu tun, das schon immer richtig war und schlussendlich die Priorität einräumen, die es verdient.

Milan: Mein Eindruck ist, dass niemand mehr darüber diskutiert, ob KI für die Software­entwicklung sinnvoll ist oder nicht. Stattdessen geht es darum, wie sie als Werkzeug effizient unterstützen kann. In welchem Ausmaß KI zum Einsatz kommt, ist dabei in den meisten Bereichen noch in alle Richtungen offen, aber eine große Chance. Bei speziellen Interessen lohnt es sich, Workshops zu belegen und auch bei den Talks nicht nur den Titel und die Beschreibung zu lesen, sondern abzuwägen, ob das Thema wirklich zu den eigenen Interessen passt.

Thoren: Die WeAreDevel­opers bietet viel Auswahl. Besonders für Studierende, Junior-Entwickler:innen und technisches Management lohnt sich die Konferenz, während erfahrene Entwickler:innen für fachliche Tiefe eher spezialisierte Formate wählen sollten. Mitgenommen habe ich vor allem ein geschärftes Bild der sich wandelnden Entwickler:­innenrolle und die Bestätigung, dass UXMA beim Thema KI auf dem richtigen Weg ist.


Trotz unserer unterschiedlichen Schwerpunkte kamen wir alle zu einer ähnlichen Erkenntnis: Die spannendsten Impulse entstanden dort, wo Erfahrungen aus der Praxis geteilt wurden. Die WeAre­Developers hat uns deshalb weniger neue Antworten geliefert als vielmehr bestätigt, dass wir bei UXMA bereits an den richtigen Frage­stellungen arbeiten und diese nun gezielt weiterentwickeln können – genauso wie unsere eigenen Kompetenzen.

Ein UXMA-Mitarbeiter der gemütlich in einem Ohrensessel sitzend auf seinem Laptop liest.

Klingt spannend? Kontaktieren Sie uns gerne für mehr Informationen.

Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören. Rufen Sie uns an, schreiben Sie uns eine E-Mail oder vereinbaren Sie einen Termin.

Impulse

Projektidee? Schreiben Sie uns!