UXMA @ UX Nordic 2026

Letzte Woche haben wir – Franziska Tietz und Cornelia Kiepert, UX/UI Designerinnen bei UXMA – uns auf den Weg nach Aarhus gemacht, um die UX Nordic Konferenz zu besuchen. Mit Vorfreude, Neugier und der Frage, welche Themen die UX-Branche aktuell besonders bewegen, starteten wir in zwei Tage voller Impulse, Gespräche und neuer Perspektiven. 

Abbildung aus dem Stadtbild von Aarhus mit dem Overlay des UXMA und UX Nordic Logos

Erste Eindrücke aus Aarhus

Schon bei der Ankunft waren wir mittendrin im pulsierenden Leben der Stadt. Dies soll kein Reisebericht für die nächste Städtetour sein, aber die Eindrücke von Aarhus gehören für uns zur gesamten Erfahrung dazu. Denn Aarhus ist eine bunte, lebendige Stadt, von der man sich einiges abschauen kann. Die konsequente Umsetzung nachhaltiger Mobilität, die starke Präsenz einer gut ausgebauten Fahrrad­infrastruktur und die mutige, teilweise ungewöhnliche Architektur prägen gerade im Hafenviertel Aarhus C das Stadtbild. Daran wird deutlich, wie viel Raum hier für neue Ideen geschaffen wird. Die Stadt wächst sichtbar, entwickelt sich weiter und wirkt dabei gleichzeitig offen und experimentierfreudig. 
 
Diese ersten Eindrücke aus Vielfalt, Bewegung und Innovation, haben uns direkt in die richtige Stimmung für die kommenden zwei Tage gebracht: die UX Nordic

Abbildung einer Konferenz von hinten fotografiert. Der Vortragende auf der Bühne ist verschwommen.

Was die Konferenz geprägt hat

Die Konferenz war für uns vor allem eines: eine sehr klare Moment­aufnahme davon, wie stark sich unsere Branche gerade verändert. Das Top-Thema in allen Talks und Diskussionen: Künstliche Intelligenz und wie sich dadurch unsere Arbeitsweisen, Prozesse und Perspektiven neu ausrichten. 
 
Im Fokus stand, was der Einsatz von KI für unseren Arbeitsalltag bereits heute bedeutet. Viele Vorträge machten greifbar, wie selbstverständlich KI in unterschiedlichen Bereichen angekommen ist – von der Ideenfindung über Prototyping bis hin zu Research und Entwicklung. Die Konferenz war damit nicht nur inspirierend, sondern auch eine Art Standort­bestimmung: Wo stehen wir gerade als Branche und wohin bewegen wir uns?
 
Dabei hat die Geschwindigkeit massiv zugenommen. Was früher Tage oder Wochen gebraucht hat, lässt sich heute mit KI in deutlich kürzerer Zeit erreichen, visualisieren oder in erste greifbare Ergebnisse übersetzen. Ideen werden schneller sichtbar, Prototypen schneller gebaut und Varianten schneller getestet. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich nicht nur Werkzeuge und Prozesse verändern, sondern auch die Rollen innerhalb der Produktentwicklung. Die Grenzen zwischen Design, Entwicklung und Research werden durchlässiger, klassische Zuständigkeiten verschieben sich und neue, stärker hybride Arbeitsweisen entstehen. 
 
Auch Prozesse verändern sich grundlegend. Lineare Abläufe verlieren an Bedeutung, während iterative und dynamische Vorgehensweisen immer selbstverständlicher werden. Entscheidungen werden früher getroffen, schneller verworfen und kontinuierlich weiterentwickelt. Genau darin zeigte sich für uns, wie sehr sich die UX-Welt aktuell neu sortiert, sowohl fachlich als auch methodisch und in der täglichen Zusammenarbeit. 

Collage aus Fotos von PowerPoint Folien eines Vortrages und einem Selfie der zwei Autorinnen, die auf der Konferenz anwesend waren.
Die Vielfalt der Talks zeigte sich nicht nur in den Themen und Hintergründen der Speaker:innen, von HubSpot über Microsoft bis Virtual Identity.

Ein weiterer spannender Gedanke war das Thema „Empathic UX“. Dabei ging es darum, wie Interfaces mithilfe von KI dynamisch auf Nutzende reagieren können. Systeme analysieren das Verhalten während der Nutzung und leiten daraus Hinweise auf emotionale Zustände ab. Folglich können sich Farben, Inhalte oder Layouts anpassen, um etwa Überforderung zu reduzieren oder die Interaktion angenehmer zu gestalten. Für uns war das kein zentrales Thema der Konferenz, aber ein interessanter Ausblick darauf, wie sich Interaktion mit KI in Zukunft weiterentwickeln könnte. 
 
Eine andere Frage, die in vielen Talks mitschwang: Wie behalten wir den Fokus, wenn plötzlich scheinbar alles möglich ist? Genau darin liegt aus unserer Sicht eine der größten Herausforderungen. KI eröffnet eine enorme Bandbreite an Möglichkeiten – aber nicht jede davon führt automatisch zu einer besseren User Experience. Die Gefahr, sich in Optionen zu verlieren oder Lösungen um ihrer selbst willen zu bauen, ist real. 
 
Und genau hier liegt für uns die wichtigste Erkenntnis der Konferenz: Nur weil mit KI scheinbar alles möglich ist, darf der eigentliche Kern von UX nicht verloren gehen. 
 
Am Ende ist es unerheblich, ob in oder hinter einer Anwendung KI steckt oder ob sie mithilfe von KI entstanden ist. Entscheidend bleibt der Mehrwert für die Nutzenden. Vertrauen, Verständlichkeit und tatsächlicher Nutzen müssen weiterhin im Mittelpunkt stehen. 

Die Rolle von Designer:innen ist deshalb keineswegs obsolet geworden. Sie verändert sich und in vielen Bereichen gewinnt sie sogar weiter an Bedeutung. KI kann Prozesse beschleunigen, repetitive Aufgaben übernehmen, inspirieren und dabei helfen schneller zu Ergebnissen zu kommen. Aber sie nimmt uns nicht die Verantwortung ab. 

Foto von hinten aufgenommen, auf dem zwei Personen abgebildet sind, die auf einen Laptop schauen und über ein Designentwurf sprechen.

Praxischeck im Workshop

Am zweiten Tag haben wir am Workshop „AI-Power Prototyping & Future Skills“ von Zamina Ahmad teilgenommen. Auch hier wurden die Thesen und Erkenntnisse des vorherigen Tages aufgegriffen und bestätigt. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wir diese Entwicklung sinnvoll für uns nutzen können. 
 
Im Verlauf des Workshops konnten wir dies nicht nur theoretisch nachvollziehen, sondern anhand konkreter Aufgaben und Beispiele selbst ausprobieren. Zamina stellte ein Prompt-Template zur Verfügung, das wir auf unseren eigenen Anwendungs­fall anpassen mussten. So wurde schnell klar: Auch wenn KI vieles beschleunigt, entsteht ein gutes Ergebnis nicht auf Knopfdruck. 
 
Am Ende hatte jede Gruppe ein kleines Start-up entwickelt und dafür einen ersten interaktiven Prototypen erarbeitet. Das klingt im ersten Moment schnell und einfach, nach dem Motto: „Wenn das alles so leicht geht, wofür braucht es dann überhaupt noch Designer:innen?“ Genau dieser Eindruck hat sich für uns aber nicht bestätigt. Was am Ende entstanden ist, war keine finale „ready for dev“-Anwendung. Es war ein erster klickbarer Prototyp, der zentrale Konzeptideen sichtbar und erlebbar gemacht hat. Keine pixelperfekte App, kein ausgereiftes Designsystem, kein vollständig durchdachtes UX-Konzept und keine umfassend definierte Feature-Welt. 
 
Um überhaupt zu diesem ersten Stand zu kommen, haben wir dennoch viele Schritte durchlaufen, die ganz klar zum klassischen Designprozess gehören:

  • Problem Identifikation

  • Idee-Entwicklung mit erkennbarem Nutzen für eine konkrete Nutzer:innengruppe

  • Formulierung zentraler Annahmen

  • Benennung potenzieller Herausforderungen

  • Definition von Personas & Pain Points

  • Ideenfindung für Lösungsansätze

  • Erstellung von Hypothesen und einer User Journey Map erstellt

  • Markenentwicklung

 
All das geschah mit Unterstützung von KI, aber nicht ohne unsere eigene Bewertung. Natürlich haben wir aufgrund der begrenzten Zeit im Workshop einige Abkürzungen genommen. Dennoch haben wir Ergebnisse geprüft, hinterfragt, angepasst und immer wieder bewusste Entscheidungen getroffen. 

Foto von den beiden UXMA Designerinnen die an der UX Nordic teilgenommen haben.
Unser obligatorisches „Wir waren dabei“-Foto

Was wir mitnehmen

Die zwei Tage auf der UX Nordic haben uns einmal mehr gezeigt, dass wir uns als Branche mitten in einer spannenden und tiefgreifenden Veränderung befinden. Ja, unser Beruf verändert sich. Aber das ist nichts Neues. Unser Job hat sich schon kurz nach unserem Studien­abschluss verändert und mit jedem neuen Tool, mit jeder neuen Technologie verändert sich auch die Art, wie wir arbeiten.

KI wird unsere Arbeit weiter prägen: in den Werkzeugen, in den Prozessen und in den Rollen, die wir einnehmen. Gleichzeitig haben die Konferenz und der Workshop für uns bestätigt, dass sich der Kern guter UX-Arbeit nicht verändert hat. 
 
Gute User Experience entsteht nicht durch technologische Möglichkeiten allein, sondern durch bewusste, reflektierte Gestaltung. Sie entsteht dann, wenn wir verstehen, was Nutzende wirklich brauchen, wenn wir Mehrwert schaffen und wenn wir Verantwortung für die Qualität unserer Lösungen übernehmen. KI unterstützt uns, sie beschleunigt Prozesse und hilft dabei, erste Konzepte und Prototypen schneller zu entwickeln, zu testen und weiterzuentwickeln. Sie kann inspirieren und Impulse geben. Aber sie ersetzt aktuell weder Erfahrung noch Urteilskraft. Wir bleiben diejenigen, die bewerten, priorisieren, kritisch hinterfragen und Entscheidungen treffen.
 
Dazu gehört auch, Vertrauen zu schaffen, nicht nur bei den Nutzenden, sondern ebenso in Teams, gegenüber Auftraggeber:innen und innerhalb von Organisationen. Denn der sinnvolle Einsatz von KI braucht neben Akzeptanz auch ein gemeinsames Verständnis für Qualität und den verantwortungsvollen Umgang mit neuen Möglichkeiten.

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